Zürich steht beim Thema Drogen erneut unter Druck. In den vergangenen Sommerwochen hat der sichtbare Konsum illegaler Substanzen an mehreren Orten im öffentlichen Raum zugenommen. Die Stadt Zürich reagiert darauf mit verstärkten Polizeikontrollen und zusätzlicher Sozialarbeit.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht dabei zunehmend auch Crack. Die rauchbare Form von Kokain wirkt sehr schnell und intensiv, gleichzeitig hält die Wirkung nur kurz an. Das kann zu einem besonders hohen Konsumdruck führen. In mehreren Schweizer Städten ist Crack deshalb in den vergangenen Jahren stärker ins Blickfeld von Suchthilfe und Behörden gerückt. Auch Berichte aus Zürich beschreiben eine zunehmende Sichtbarkeit schwer abhängiger Menschen im öffentlichen Raum.
Für Zürich weckt diese Entwicklung unangenehme Erinnerungen. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren wurde die Stadt durch die offenen Drogenszenen am Platzspitz und später am Letten international bekannt. Erst mit einer Kombination aus Repression, Therapie, Prävention und Schadensminderung gelang es, diese Szenen dauerhaft aufzulösen. Dieses sogenannte Vier-Säulen-Modell bildet bis heute die Grundlage der Zürcher Drogenpolitik.
Von einer Rückkehr zu den Zuständen am Platzspitz kann allerdings keine Rede sein. Die heutige Situation unterscheidet sich deutlich. Trotzdem sieht die Stadt Handlungsbedarf. Im Juli 2026 erklärte sie, die Belastung durch sichtbaren Drogenkonsum habe an mehreren Orten zugenommen. Deshalb sollen Polizei und soziale Dienste verstärkt präsent sein. Gleichzeitig arbeitet die Stadt nach eigenen Angaben an längerfristigen Lösungen.
Ein Problem besteht darin, dass nicht alle Konsumierenden ihren Wohnsitz in Zürich haben. Bereits im Herbst 2025 reagierte die Stadt deshalb mit einem zusätzlichen Angebot: An der Bederstrasse wurde ein temporärer «Raum für Konsum und Triage» eingerichtet. Dort erhalten auch auswärtige Drogenkonsumierende eine Alternative zum Konsum auf der Strasse sowie Zugang zu Beratung und weiterführenden Hilfen.
Zürich setzt damit weiterhin auf seine traditionelle Strategie: Nicht allein die Polizei soll das Problem lösen. Gesundheitsversorgung, Sozialarbeit und Schadensminderung gehören ebenso dazu. Das Drogeninformationszentrum der Stadt bietet beispielsweise Beratung und Informationen für Konsumierende, Angehörige und Fachpersonen an.
Gleichzeitig bleibt die Entwicklung rund um Crack eine Herausforderung. Die Droge passt nur teilweise zu Hilfesystemen, die ursprünglich stark auf Heroinabhängigkeit ausgerichtet waren. Die kurze Wirkung und der hohe Konsumdruck können dazu führen, dass Betroffene sehr häufig konsumieren und sich stärker im öffentlichen Raum aufhalten.
Für Zürich stellt sich deshalb erneut eine Frage, die die Stadt bereits vor Jahrzehnten beantworten musste: Wie lassen sich Sicherheit im öffentlichen Raum und Hilfe für schwer suchtkranke Menschen gleichzeitig gewährleisten?
Die Antwort dürfte auch diesmal nicht in einer einzelnen Massnahme liegen. Zürich hält deshalb am Zusammenspiel von Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression fest.
Und gerade weil die Stadt mit Platzspitz und Letten eine besondere Geschichte hat, wird genau beobachtet werden, ob dieses Modell auch mit den Herausforderungen der heutigen Crack-Szene funktioniert.