Seit über acht Monaten liefert das AKW Gösgen keinen Strom. Eigentlich war geplant, die Anlage Ende Februar 2026 wieder ans Netz zu bringen. Nun ist der Termin um drei Wochen nach hinten gerutscht: Laut Betreiberin ist die Wiederinbetriebnahme „aus heutiger Sicht“ neu für 21. März 2026 vorgesehen – abhängig von Prüfung und Freigabe durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI. Im Zentrum steht eine Nachrüstung im Speisewasser-Rohrleitungssystem. Die Betreiberin berichtet, dass gedämpfte Rückschlagventile in den letzten Wochen erfolgreich eingebaut worden seien. Trotzdem brauche es zusätzliche Zeit für „letzte Sicherheitsnachweise“ und deren Prüfung. Erst danach soll die Stromproduktion wieder starten. Greenpeace Schweiz interpretiert die Verzögerung deutlich kritischer. Die Organisation führt den langen Unterbruch auf eine „relevante Sicherheitslücke“ zurück, die laut Greenpeace seit Inbetriebnahme 1979 bestehe. Es sei unverständlich, warum Betreiberin und Aufsicht nicht früher reagiert hätten, wird Energieexperte Lukas Bühler zitiert. Neben der Sicherheitsdebatte geht es um viel Geld. Greenpeace beziffert den ungeplanten Produktionsausfall bis Ende Februar 2026 auf rund 281 Tage und spricht von Kosten „rund eine halbe Milliarde“ für die Eigentümerschaft (u.a. Axpo, Alpiq, CKW sowie EWZ Zürich und EWB Bern). Die zusätzlichen 21 Tage würden nochmals etwa 40 Millionen Franken ausmachen – plus Reparaturkosten im zweistelligen Millionenbereich. Der Fall Gösgen ist auch politisch brisant: Für Greenpeace zeigt der Ausfall, dass alte AKW nicht nur teure Baustellen, sondern auch ein Risiko für die Versorgungssicherheit seien – gerade dann, wenn sie über Monate ungeplant wegfallen. Die Betreiberin hält dagegen, man setze auf kontinuierliche Modernisierung und wolle die Sicherheitsreserven weiter stärken; die Anlage sei in einen „sicheren, abgestellten Zustand“ überführt worden.
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